Accordions Worldwide Celebrity Interview, Manfred Gàbler, Organizer and Supporter of the Kligenthal International Accordion Competitions, Klingenthal, Germany, for over 45 years.
Celebrity Interviews

Manfred Gaebler
Manfred Gabler

Mai 2011


Celebrity Interview von Manfred Gabler, Organizer und Unterstützer der Internationaler Akkordeon-Wettbewerbe, Klingenthal, Deutschland, seit über 45 Jahren.

Gabler Award
Foto oben und Text aus accordions.com Weekly News, 15. Oktober 2010:

Manfred Gàbler mit dem Sächsischer Verdienstorden ausgezeichnet – Deutschland

Als Zeichen dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Sachsen und seine Bevölkerung wurde der Verdienstorden des Freistaates Sachsen gestiftet und erstmals am 27. Oktober 1997 verliehen. Ihn können in- und ausländische Persönlichkeiten für Leistungen erhalten, die insbesondere im politischen, sozialen, kulturellen oder wirtschaftlichen Bereich sowie auf dem Gebiet der Umwelt dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Die Zahl der Ordensinhaber darf nicht höher als 500 sein. Die Auszeichnung erhielten bislang 209 Persönlichkeiten.

Seit dem 19. August 2010 ist nun auch Manfred Gäbler Träger des Sächsischen Verdienstordens. Im Rahmen einer Feierstunde in der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden, bei der auch Bürgermeister Enrico Bräunig und Amtsvorgänger Reiner Schneidenbach anwesend waren, wurde ihm der Orden von Ministerpräsident Stanislaw Tillich verliehen.

„Klingenthal - allein der Name ist ihm Berufung für sein Tun und Handeln in seiner Heimatstadt. Sein zielstrebiges Wirken bereits vor, während und nach der friedlichen Revolution diente dem Ansehen seiner Stadt, dem Erhalt des „Internationalen Akkordeonwettbewerbs Klingenthal“, dessen Weiterführung und -entwicklung.

Er knüpfte enge und dauerhafte Kontakte zu bedeutenden Akkordeonisten in vielen Ländern der Welt. Er genießt in der internationalen Fachwelt hohes Ansehen, das ihm bereits verschiedene internationale Preise einbrachte. Geschickt verbindet er die Interessen der traditionsreichen Handzuginstrumentenmacherei mit den jährlichen Musiktagen. Als Mitgründer des Musik- und Wintersportmuseums Klingenthal setzt er sich für die Pflege der Geschichte seiner Stadt ein, bei der es nicht allein um den Musikinstrumentenbau, sondern auch um den sehr erfolgreichen Wintersport geht.

Manfred Gäbler war auch 19 Jahre als Stadtrat und viele Jahre als ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters der Stadt Klingenthal tätig. Aktive Arbeit leistete er in der Ökumene.“ heißt es in der Begründung für diese hohe Auszeichnung.

Zur Stadtratssitzung am 25. August 2010 wurde Manfred Gäbler (Mitte) zur Verleihung des Sächsischen Verdienstordens offiziell von Bürgermeister Enrico Bräunig (rechts) und den Mitgliedern des Stadtrates beglückwünscht. Das Stadtoberhaupt würdigte in einer kurzen Ansprache die Leistungen und das große Engagement von Manfred Gäbler für Klingenthal und den Internationalen Akkordeonwettbewerb.

Der ehemalige Bürgermeister Reiner Schneidenbach (links), der den Orden beantragt hat, war ebenfalls zur Gratulation erschienen. Manfred Gäbler dankte mit herzlichen Worten für die Glückwünsche und erinnerte dabei an die große Bedeutung des Internationalen Akkordeon-wettbewerbes.



F: Wurden Sie in Klingenthal geboren und sind Sie auch dort aufgewachsen?
A: Ja, ich wurde in Klingenthal geboren und verbrachte meine Kindheit in meinem Heimatort, den ich im Alter von 14 Jahren wegen des Schulbesuchs verlies.

F: Sie auch andere Ihrer Familienmitglieder musikalische begabt und was sind Ihre ersten Erinnerungen an das Akkordeon?
A: In gewisser Weise waren meine Eltern schon musikalische begabt. Meine Mutter spielte Gitarre, mein Vater sang in einem damals sehr renommierten Männerchor. Eine meiner Tanten war eine ausgebildete Sängerin. Wichtig war aber vor allem das Interesse meiner Familie am musikalischen Geschehen in unserem Ort und auch darüber hinaus. Damit wurde ich schon als Kind an die Musik herangeführt.

In meinem achten Lebensjahr begann ich mit dem Akkordeonunterricht, in Klingenthal beinahe ein Muss. Gleichzeitig nahm ich Klavierstunden. Der Unterricht fand bei uns zu Hause statt.

F: Wie kam es zur Idee, den Akkordeon-Wettbewerb in Klingenthal ins Leben zu rufen?
A: Nach der Beendigung des 2. Weltkrieges im Jahre 1945 herrschte wohl vielerorts ein gewisser „Kulturhunger“, so auch in unserer Region. Bereits 1946 wurde in Klingenthal ein mehrtägiges Musikfest organisiert, gestaltet von den im Krieg stark dezimierten Orchestern, Chören und Musikgruppen Klingenthals und Umgebung.

Bedingt durch die große Vorkriegstradition des Klingenthaler Raumes im Akkordeon- und Mundharmonikabau entstand 1947 der Gedanke eines Wettstreits der Akkordeon- und Mundharmonikaspieler der Region.

Holde and Manfred Gaebler
Holde and Manfred Gàbler

F: Wann wurden Sie zum ersten Male in den Klingenthaler Wettbewerb involviert?
A: Es war wohl im Jahre 1966 als ich erstmals im Rechenbüro des Wettbewerbs mitarbeitete.

F: Wann fand der erste Wettbewerb statt? Können Sie uns ein wenig darüber erzählen? Wie viele Kategorien und Teilnehmer gab es?
A: Erstmals wurden im Jahre 1948 aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone Akkordeonsolisten, Akkordeonduos und Akkordeongruppen zum Wettstreit, wie diese Veranstaltung damals genannt wurde, eingeladen. Am 27. Oktober 1948 nahmen 15 jugendliche Solisten, 14 Berufsspieler und 4 Akkordeonduos bzw. -gruppen nahmen daran teil. Damit war der 1. Klingenthaler Akkordeonwettbewerb mit nationalen Teilnehmern geboren. Unter den Teilnehmern bei den folgenden Wettbewerben befanden sich Hans Boll, Helmut Reinbothe, Herbert Gerbeth u. a.

F: Wer war der erste Klingenthaler Wettbewerbsgewinner?
A: 1948 Das Akkordeon-Duo Alfons Nietzsche/Werner Herold
1949 Der Solist Herbert Gerbeth

F:Wann wurde der Wettbewerb international? Von wo war der erste nicht-deutsche
Konkurrent und wer war der erste internationale Sieger der Top-Solisten-Kategorie?

A: Der 1. Akkordeonwettbewerb mit internationaler Beteiligung fand im Jahre 1963 statt.
Neben den deutschen Teilnehmern nahmen auch solche aus Polen und Belgien teil.

CIA President Kevin Friedrich and Manfred Gàbler
Der damalige Präsident der Confédération Internationale des Accordéonistes (CIA) Kevin Friedrich und Manfred Gàbler waren in der ersten Sitzung in Klingenthal City am 15. Mai 2007 zwischen der CIA und Klingenthal Organisatoren.
Manfred Gàbler, Joan Sommers, Harley Jones, Kevin Friedrich, Günther Zeilinger
Bei der CIA / Klingenthal Treffen mit Manfred Gàbler war Joan Sommers, im Ruhestand Prof. an der Universität UMKC und dann Stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses CIA Musik, Harley Jones Direktor des Akkordeons Weltweit (www.accordions.com) und CIA Public Relations Manager, Kevin Friedrich, dann CIA Präsident und Günther Zeilinger, dann DHV delegieren und Direktor des Akkordeonorchester Hof.


Manfred Gabler presentationBild links: Präsentation von Holda Paoletti-Kampl (Akkordeons Weltweit) präsentiert die Akkordeons Weltweit Special Award für Klingenthal für den Wettbewerb.

F: Wie schwierig war es, die internationale Veranstaltung während der ehemaligen politischen Ort-Zeiten durchzuführen?
A: Während dieser Zeit lag die Trägerschaft und auch die Organisation des Internationalen Akkordeonwettbewerbs in den Händen der Stadt Klingenthal und des VEB Klingenthaler Harmonikawerke. Seitens dieser und auch anderer stattlicher Stellen war man letztendlich daran interessiert, dass das Akkordeon zu einem Exportartikel, vor allem auch für die westliche Welt wurde.

Dafür bot der Internationale Akkordeonwettbewerb eine nicht zu unterschätzende Plattform, die gerne genutzt wurde. Die bürokratischen Hürden, beispielsweise der Visa-Beschaffung und dgl., kann sich heutigentags keiner, der es nicht selbst erlebt hat, ein Bild machen.

F: Im Laufe der Jahre hat Klingenthal sich zu einem der angesehensten Wettbewerbe auf der ganzen Welt entwickelt und was Klingenthal einzigartig macht, ist die letzte Runde mit dem Sinfonieorchester. Wann hat dies angefangen?
A: Die zunehmende Zahl der Teilnehmer, vor allem aus dem Ausland, angesehene Juroren und nicht zuletzt die beinahe perfekte Reglement, wozu auch die Auswahl der Pflicht-literatur gehört, haben dem Klingenthaler Wettbewerb zu seinem Ansehen verholfen. Ein Alleinstellungsmerkmal des Wettbewerbs ist auch die Festlegung, dass zum Finale der Kategorie IV (Erwachsene) ein Konzert für Akkordeon und Sinfonieorchester vorzutragen ist. Eine Vorstufe dazu war die 1977 eingeführte Forderung, ein Konzert für Akkordeon mit Klavierbegleitung vorzutragen. Ab 1983 wurde für das Finale der genannten Kategorie ein Konzert für Akkordeon mit Orchesterbegleitung vorgeschrieben. Dem ist bis heute so.

F: Wann wurde mit der Bandoneon-Kategorie begonnen?
A: Eingeführt wurde die Kategorie VII -Bandoneonsolisten- im Jahre 2006. Ausgelöst durch die wachsende Bedeutung des Bandoneons und durch die Produktion dieses Musikinstru-ments in Klingenthal und Carlsfeld.

Q: Nun, das Leben hat sich mit der Öffnung der Grenzen usw. geändert. Wie hat sich Klingenthal angepasst und wie konnten die Stadt und der Wettbewerb von dieser Entwicklung profitieren?
A: Während und auch noch eine gewisse Zeit nach der friedlichen Revolution gab es schon von verschiedenen Seiten Bestrebungen, den Klingenthaler Wettbewerb, ich möchte sagen, auf „kleiner Flamme“ zu halten, eventuell auch zu verlagern. Vielleicht auch auszuschalten? Ein sich Einmischen von außen und verbale Angriffe gab es des Öfteren. Ausdauer und konstruktives Arbeiten einiger Weniger ist es zu verdanken, dass der Wettbewerb letztendlich gestärkt und ohne zeitliche Unterbrechung bis zum heutigen Tag Bestand hat.

Klingenthal monumentF: Gibt es nennenswerte Meilensteine aus der langen Geschichte des Klingenthaler
Wettbewerbs?

A: In Klingenthal war man immer bestrebt, das Wettbewerbsgeschehen zu aktualisieren. Neben den historisch gewachsenen Wettbewerbskategorien ergaben sich immer wieder Ergänzungen, um den Wettbewerb attraktiv zu gestalten. Dennoch sind wir uns darüber im Klaren, dass unser Wettbewerb den akademischen Charakter keinesfalls verlieren darf. Wir waren und sind immer wieder darum bemüht, Neues zu bringen.

So beispielsweise die Einführung neuer Kategorien: „Virtuose Unterhaltungsmusik“, Bandoneonsolisten, Akkordeonduo, Duo Akkordeon und ein anderes Musikinstrument, Gruppen bis zu 5 Musikern, darunter 1 Akkordeon, gleiches auch mit Bandoneon, Fachgespräche, Diskussionsrunden. In diesem Jahr ein Workshop mit dem bekannten amerikanischen Jazz-Akkordeonisten Frank Marokko. Neben dem Wettbewerb wird stets ein interessantes, ja auch hochkarätiges Rahmen-programm geboten.

City Officials
Von links nach rechts: Offizielle von der Stadt Kraslice (Partnerstadt von Kingenthal), Herr Sasse / Bürgermeisters Partnerstadt Neuenrade, Manfred Gàbler, Holda Paoletti-Kampl (Akkordeons Weltweit), ehemaliger Bürgermeister von Klingenthal Reiner Schneidenbach, 2 Vertreter der Stadtverwaltung von Klingenthal - vor der Klingenthal-Denkmal, vor dem Rathaus.

F: Erzählen Sie uns von der besonderen Beziehung Klingenthals zu Castelfidardo!!
A: Wie bekannt, existiert seit 2003 zwischen Castelfidardo und Klingenthal eine Städtepartnerschaft. Beide Städte fertigen in ihren Mauern Harmonikas. Beide Städte sind Veranstalter eines renommierten Akkordeonwettbewerbs. Die Folge daraus ist, dass beide Kommunen in gewisser Beziehung gleiche Interessen verfolgen. Ausgelöst wurde die Verbindung Castelfidardo-Klingenthal durch eine Einladung der Stadtverwaltung Castelfidardo.

Angeregt aber wohl durch private Initiativen wurde diese Städtepartnerschaft offiziell besiegelt. Für die Klingenthaler Initiatoren des Wettbewerbs und auch für die in Castelfidardo ist ein gegenseitiger Besuch der Wettbewerbsveranstaltungen immer ein interessantes Kennenlernen, und so auch für jede Seite ein Gewinn. Erwähnen möchte ich noch, dass zu jedem der Wettbewerbe gegenseitig Sonderpreise vergeben werden. Das Akkordeon war es letztlich, dass diese Städtepartnerschaft zustande kam und dass auch persönliche, herzliche Verbindungen entstanden sind.

F: Ihre Veranstaltung nähert sich ihrem 50. Geburtstag – haben Sie besondere Pläne für
dieses große Jubiläum?

A: Wir sind natürlich stolz darauf, dass wir in zwei Jahren den 50. Internationalen Akkordeon-wettbewerb in Klingenthal durchführen können. Derzeit gibt es nur vage Vorstellungen, die aber noch in diesem Jahr Gestalt annehmen müssen.

F: Sie haben den Wettbewerb seit nunmehr 45 Jahren begleitet bzw. organisiert. Wie stellen Sie sich die Fortführung und die Entwicklung des Internationalen Akkordeon-wettbewerbs Klingenthal vor?
A: Wir halten an den Prinzipien, die wir nach wie vor vertreten fest und die uns in gewisser Weise immer nach vorn gebracht haben:
Der Internationale Akkordeonwettbewerb Klingenthall:
- Er will das solistische Akkordeonspiel und das solistische Bandoneonspiel fördern,
vom Kind bis zum Meistersolisten.
- Er will die Vielfältigkeit des Akkordeon Solo- und Ensemblespiel ausprägen.
- Er will als Besonderheit das Zusammenspiel von Soloakkordeon mit einem
sinfonischen Orchester praktizieren.
- Er will das Zusammenspiel des Akkordeons bzw. Bandoneons mit anderen Musikinstrumenten besonders auf dem Gebiet der Kammermusik weiterentwickeln.
- Er will neue Kompositionen kennen lernen und der Öffentlichkeit vorstellen.
- Er will die Begegnung von Akkordeonisten mit Musikinstrumentenbauern ermöglichen und den Meinungsaustausch fördern.

F: Wir wissen, dass Sie mehrmals wichtige nationale und internationalre Auszeichnungen
für Ihre Arbeit erhalten haben. Dürfen wir Sie bitten, uns darüber etwas zu erzählen?

Ich will nicht viele Worte machen. Im Oktober 2008 erhielt ich in Glasgow von der Confederation Internationale des Accordeonistes (CIA) den Merit Award. Im August 2010 wurde mir in Dresden von Ministerpräsident Stanislaw Tillich der Verdienstorden des Freistaates Sachsen verliehen. Diese Auszeichnung erhielt ich für meinen Einsatz für den Erhalt des Akkordeonwettbewerbs, aber nicht zuletzt auch für meine umfangreichen Aktivitäten auf allgemeinem kulturellen Gebiet meiner Heimatstadt. (Bild und Informationen zu Beginn des Interviews).

CIA Merit Award to Manfred Gaebler
Bild oben: Am 25. Oktober 2008 in Glasgow, Schottland, der Confédération Internationale des Accordéonistes (CIA) Präsident Kevin Friedrich ùberreichte Manfred Gàbler den CIA Merit Award für seine Beiträge in der internationalen Akkordeon Bewegung. Siehe Text und Fotos über das Akkordeon-Meeting (Englisch) auf der 2008 Coupe Mondiale Webseite, wo Manfred Gabler Klingenthal vertrat.

F: Gibt es noch viele Jugendliche in Klingenthal. die an diesem Wettbewerb teilnehmen?
A: Leider nehmen nur vereinzelt Akkordeonisten aus Klingenthal und aus dem Oberen Vogtland am Wettbewerb teil.

F: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Wettbewerbs?
A: Den Fortbestand desselben! Dafür sind aber Voraussetzungen vor Ort notwendig: Ganz wichtig erscheint mir, dass sich Bürgermeisters und Stadtrat voll und ganz zum Wettbewerb bekennen und allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln den Wettbewerb unterstützen. Wir hoffen weiter auf entsprechende Unterstützung durch die einschlägigen Gremien des Freistaates Sachsen, wir hoffen, dass eine Vielzahl interessierten Bürger aus nah und fern als Besucher dem Wettbewerb treu bleiben und letztendlich wünschen uns viele aktive Teilnehmer, denn ohne sie kann kein Wettbewerb stattfinden.

Bild links: Holde und Manfred Gàbler

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