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Accordions Worldwide
Moderator: Wallace Liggett

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F. Sie sind der Autor des Buchs "Die Kunst des Bajanspiels", das in Moskau bei Muzika und in der deutschen Übersetzung bei Intermusik Schmülling in Deutschland herausgegeben wurde. Was veranlasste Sie, dieses Buch zu schreiben? Was sind die Ziele dieses Buchs?

A. Nachdem ich mit dem Unterrichten begonnen hatte, machte ich mir Notizen darüber, was ich meine Studenten ständig lehrte. Ich wußte, es gab eine Menge Bücher über die Geschichte des Akkordeons und auch für Anfänger, aber nicht für den fortgeschrittenen Studenten. Ich notierte weiter, was mir auf Reisen, zum Beispiel im Flugzeug, einfiel. Wenn ich über eine Idee nachdachte, schrieb ich sie auf. Ich teilte meine Notizen in vier Kapitel auf: Tonbildung, Spieltechnik, Interpretationsfragen und Konzertpraxis.

Ich stellte dieses Buch Ende 1981 im Alter von 33 Jahren fertig. Das Buch wurde schließlich 1985 herausgegeben

Ich habe jetzt ein neues Buch geschrieben, das bald veröffentlicht werden soll. Mein neues Buch heißt "Die Kunst der Bajantranskription".


F. Sie haben eine Reihe von Artikel geschrieben. Sind diese für das Publikum erhältlich und falls ja, wie können sie Leser bekommen?
A. Ich habe viele Artikel geschrieben, die in russischer Sprache veröffentlicht sind. Diese Sammlung heißt "Bajan und Bajanisten". Möglicherweise werden diese Artikel in Zukunft auf englisch übersetzt und publiziert.

Ich schrieb auch einen Artikel über Solotarjow. Mein ursprünglicher Artikel wurde von einigen Leuten wie Tschaikin zensuriert. Es ist jedoch möglich, dass ich jetzt meinen Originalartikel veröffentlichen werde.

F. Wie viele Konzerte haben Sie im Lauf Ihrer Karriere schätzungsweise gespielt?
A. Ich habe in 30 Jahren ungefähr 2000 Konzerte gespielt. Letztes Jahr feierte ich meinen 50. Geburtstag und auch 30 Jahre künstlerischer Aktivitäten.

F. Geben Sie Ihre interessantesten und wichtigsten Aufführungen an.
A. Ich habe mehr als 50 Uraufführungen gespielt und einige der wichtigsten sind:

Solotarjow - 3. Sonate
Solotarjow - 2. Konzertsymphonie
Gubaidulina - De profundis
Gubaidulina - Sieben Worte
Gubaidulina - Et Exspecto
Denisow - Von der Finsternis zum Licht

Ich bin in folgenden Konzertsälen aufgetreten: Tschaikowsky Konservatorium (Moskau), Concertgebouw (Amsterdam), Santory Hall (Tokio), Lincoln Center (New York), J.F. Kennedy Center (Washington DC).

F. Beschreiben Sie Ihre "ungewöhnlichste" und "humorvollste" Konzertsituation?
A. Ich erinnere mich an einen meiner Auftritte im Norden Russlands. Mein Konzert nahm einen sehr guten Verlauf, mit einem sehr begeisterungsfähigen und warmen Publikum. Während eines meiner Stücke, bemerkte ich im Saal einen Hund, der sich zur Tür bewegte, um hinauszugehen. Die Tür war geschlossen, sodass der Hund begann, nach einem anderen Weg hinaus zu suchen. Der Organisator des Konzerts sah das und versuchte den Hund einzufangen, um ihn dann hinauszubringen, der Hund lief ihm jedoch davon. Als ich weiterspielte, begann der Mann zu meiner großen Überraschung, quer durch den Konzertsaal hinter dem Hund herzulaufen, um ihn einzufangen!

F. Wann nahmen Sie Ihre erste LP, CD oder Kassette auf?
A. Meine erste Aufnahme war 1971 eine LP. Es war nur eine kleine Schallplatte, jedoch mit 33 Umdrehungen.

F. Wo können Interessierte meine Aufnahmen erwerben?
A. Am besten besuchen Interessierte, die meine Aufnahmen erwerben wollen, meine Webseite, wo man das Programm und die Beschreibung aller CDs finden und sogar einige Klangbeispiele anhören kann. Ich verkaufe meine Aufnahmen auch bei Konzerten.

F. 1991 wurde Ihre CD "Sieben Worte" in Paris mit der "Goldenen Stimmgabel" ausgezeichnet. Wie kam es, dass Sie gerade diese spezielle Komposition aufgenommen haben?
A. Das war ein spezielles Projekt auf Vorschlag des russischen Musiklabels 'Melodia.'

F. Ich liebe die Musik von Sofia Gubaidulina, besonders "Sieben Worte", Silenzio und ihre zwei Solowerke für Akkordeon "De Profundis" and "Et Expecto". Hat Professor Lips irgendwelche Pläne, mehr Werke für Akkordeon von Gubaidulina zu bestellen? Frage von Rocco A. Jerry
A. Gubaidulina hat mehrere gesagt, dass sie ein Konzert für Bajan und Orchester schreiben wird. Sie ist jedoch sehr beschäftigt, sodass einige Zeit vergehen wird, bis dieses Projekt verwirklicht werden wird.

F. Gubaidulina hat mehrer pädagogische Werke für Klavierstudenten geschrieben. Denken Sie, man könnte sie ermutigen, für das Akkordeon das gleiche zu tun? Frage von Rocco A. Jerry
A. Nein. Gubaidulina ist mit derart großen Auftragswerken beschäftigt, dass das nicht möglich ist.

F. Sie haben oft mit anderen Instrumentalisten aufgenommen. Welche anderen Instrumente passen am besten zum Timbre des Akkordeons?

A. Ich mag besonders Violoncello und Akkordeon, wie man es in Gubaidulina's Werk "Sieben Worte" von 1982 finden kann.

Danach bemerkte man, dass das Akkordeon und das Cello sehr gut zusammenpassen. Das war ein sehr populäres Stück, und es wurde sehr gut gespielt.

S. Berinskij hat auch eine sehr interessante Komposition mit dem Titel "Meereslandschaft" geschrieben. Dieses Werk für Violine und Akkordeon dauert 15 Minuten.

Ich denke, dass das Akkordeon auch sehr gut zu Blasinstrumenten passt.


F. Welche ist Ihre Lieblings-CD und warum?
A. Ich haben einige Lieblingsstücke auf jeder CD, doch eines meiner persönlichen Lieblingsstücke ist "Le Coucou" von Daquin. Heutzutage gibt es viele Akkordeonaufnahmen und es ist nicht immer möglich zu sagen, wer gerade spielt. Es gibt jedoch einige Stücke, die genau mein Stil sind. Wenn jemand das hört, kann man sagen "das ist Lips". Zu diesen gehören: Le Coucou - Daquin, La Poule - Rameau, 3. Sonate - Solotarjow.

F. Wissen Sie, welche Ihrer CDs am meisten verkauft wurde?
A. Dies ist sehr schwer zu beurteilen, weil einige CDs bereits viel länger im Umlauf sind als andere. Die beiden CDs, nach der die Leute ziemlich oft fragen, sind "Russisch und Trepak" und "Encore".

F. Haben Sie auf Ihren Reisen viele begabte Akkordeonsolisten getroffen?
A. Ich kenne viele, die zu dieser Gruppe gehören, unter anderen:

Stefan Hussong (Deutschland)
Mika Väyrynen (Finnland)
Peter Soave (USA)
Inigo Aizpiolea (Spanien)
Yuri Shishkin (Russland)
Sergei Voitenko (Russland)
Alexander Sebastian (Russland)

Mogens Ellegaard ist meiner Meinung nach jener Akkordeonist, der am meisten zur Entwicklung der Akkordeonbewegung beigetragen hat.

F. Welche andere Interessen und Hobbys außer Musik haben Sie?
A. Ich halte mich gerne in meiner Datscha außerhalb Moskaus auf. Ich mag die Sauna und die angenehme frische Luft.

Ich betreibe jeden Morgen Gymnastik und schaue gerne abends die Nachrichten im Fernsehen. Meine Familie möchte immer Filme sehen, während ich lieber Nachrichten anschaue. Wir haben eine Lösung gefunden, indem wir einen zweiten Fernsehapparat für die Küche angeschafft haben!

(Herbert Scheibenreif sagte, dass Friedrich auch große Übung im Telefonieren hat. Klarerweise läutet das Telefon den ganzen Tag. Neulich machte sich Friedrich fertig, um auf den Flughafen zu fahren, als das Telefon wieder läutete. Um keine Zeit zu verlieren, hielt seine Frau das Telefon so ins Badezimmer, dass Friedrich gleichzeitig sprechen und seine Zähne fertig putzen konnte!).

F. Wie verdient ein Akkordeonist in Russland zur Zeit seinen Lebensunterhalt?
A. Das Einkommen kommt größtenteils von Konzerten und Workshops im Ausland. Unterrichten ist in Russland sehr schlecht bezahlt.

F. 1994 wurden Sie als "Volkskünstler" Russlands geehrt. Können Sie uns mehr über diese Auszeichnung und ihre Wichtigkeit erzählen?
A. Boris Jelzin (Präsident von Russland) verlieh mir diese ruhmvolle Auszeichnung im Kreml, und es wurde im nationalen Fernsehen übertragen. Es ist der größte Titel in Russland! Rostropowitsch hat auch diese Auszeichnung bekommen.

F. Was betrachten Sie als Ihre größten Errungenschaften? Auf welche musikalischen Leistungen sind Sie am meisten stolz?

A. Ich habe etwa 50 Werke uraufgeführt, und einige dieser Werke werden eventuell zum Standardrepertoire gehören.Diese neuen Kompositionen sind wirklich gute Musik von Komponisten erster Güte und deshalb sehr bedeutsam.

Die von Friedrich Lips uraufgeführten Werke:

Wl. Zolotariew: Sonata No. 2 (Moskau, 1971)
Wl. Zolotariew: Sonata No. 3 (Moskau, 1972)
A. Schurbin: Fantasie und Fugue (Moskau, 1975)
A. Schurbin: Toccata (Moskau, 1975)
Wl. Zolotariew: Fünf Kompositionen, Kindersuiten Nr 4 und 6, Ispaniada (Moskau, 1976)
Wl. Zolotariew: "Kloster von Ferapont" (Moskau, 1976)
Wl. Zolotariew: Kindersuite Nr 5 (Moskau, 1978)
Wl. Zolotariew: Konzertsymphonie Nr 1 für Bajan und Symphonieorchester (Moskau, 1978)
K. Wolkow: Sonate No. 1 (Moskau, 1977)
K. Wolkow: Sonate No. 2 (Moskau, 1980)
S. Gubaidulina: De profundis (Moskau, 1980)
A. Schurbin: Sonate No. 2 (Moskau, 1982)
P. Londonow: Scherzo-Toccata (Moskau, 1982)
S. Gubaidulina: Partita für Bajan, Violoncello und Kammerorchester "Sieben Worte" (Moskau, 1982)
S. Gubaidulina: "Sieben Worte " (F. Lips and W. Toncha - Cello,) (Moskau, 1982)
A. Schurbin: Sonate No. 3 (Moskau, 1984)
S. Gubaidulina: Sonate "ET EXSPECTO" (Moskau, 1987)
E. Derbenko: Toccata (Moskau, 1987)
E. Denisow: Fantasie über sowjetische Lieder aus den 30er Jahren "Der Dampfer fährt am Hafen vorbei" für Bajan, Klavier und Schlaginstrumente (Moskau, 1987)
E. Derbenko: Präludium und Toccata (Karstula, Finnland, 1989)
W. Beljajew: Sonate No. 1 (Sotschi, 1990)
S. Berinskij: "IL DOLCE DOLORE" für Bajan und Violoncello (Moskau, 1991)
A. Rosenblatt: "Walzer" und "Blues für zwei" (Moskau, 1991)
Wl. Zolotariew: Konzertsymphonie Nr 2 für Bajan und Symphonieorchester, Dirigent I. Gromow (Moskau, 1991)
K. Wolkow: "STICHIRA Iwans des Schrecklichen" für Bajan und Violoncello, Lips and W. Toncha (Moskau, 1991)
S. Berinskij: Partita für Bajan "ALSO SPRACH ZARATHUSTRA" (Brüssels, 1989)
B. Precz: Präambel und Toccata (Amsterdam, 1992)
S. Gubaidulina: "SILENZIO"5 Stücke für Bajan, Violine und Violoncello (Moskau, 1992)
S. Berinskij: "DREI STÜCKE" in "mauvais" Stil für Bajan (Moskau, 1993)
G. Rossini/E. Derbenko: Tarantella (Moskau,, 1994)
S. Berinskij: "MISERERE" für Sopran, Bajan und Klavier F. Lips und Swjatoslaw Lips (Moskau, 1994)
W. Kobekin: "Fest für zwei" für Bajan und Schlaginstrumente (Klingenthal, 1995)
B. Tarensken "Requiem" für Bajan und Violoncello (Amsterdam, 1995)
C. Larin: Drei Stücke für Bajan (Amsterdam, 1995)
S. Berinskij: Symphonie Nr 3 für Bajan und großes Symphonieorchester "und der Himmel verfinsterte sich" (Apokalypsis, Kapitel 6) (Moskau, 1996)
A.Wustin: "Das Verschwinden" für Bajan, Violoncello und Kammerorchester Lips and W. Toncha (Moskau, 1996)
E. Denissow: "Von der Dämmerung zum Licht" für Bajan (Moskau, 1996)
Schnittke: Zwei kleine Stücke für Orgel (Version für Bajan) (Amsterdam, 1997)
W. Rjabow: Strom der Liebe - Capriccio für Bajan (Amsterdam, 1997)
S. Berinskij: "Lichtwellen" für zwei Bajane, F. Lips and M. Dekkers (Groningen, 1997)
M. Bronner: Traumgarten für Bajan und Violoncello, F. Lips and W. Toncha (Moskau, 1998)

Ich bin auch sehr glücklich mit meinen CDs. Ich habe mehr als 100 Werke aufgenommen, dabei wird "Le Coucou", das gerade einige Minuten dauert, genauso als ein Stück gerechnet wie "Bilder einer Ausstellung", das eine ganze CD füllt.

Ich habe auf mehr als 20 CDs gespielt (auf einigen spiele ich nur ein Stück wie Kammermusik oder Konzerte). Diese CDs sind auf drei Kontinenten veröffentlicht worden

Meine Piazzolla CD wurde in Japan produziert und während meiner Tournee in diesem Land am meisten verkauft. Diese CD wird in Russland ab nächster Woche erhältlich sein.

Ich bin sehr stolz auf mein Buch "Die Kunst des Bajanspiels", meine 30 Preisträger bei internationalen Wettbewerben (oben angeführt) und die Konzertsäle, wo ich aufgetreten bin (oben angeführt).


F. Wo sehen Sie in der Zukunft den Platz des Akkordeons in der allgemeinen Musikwelt?
A. Fast jedes Instrument begann als Volksinstrument, wie auch Schlagzeug und Streichinstrumente. Das Akkordeon ist in vielen Ländern populär und jetzt finden wir gerade unseren Platz auf der Bühne mit anderen Instrumenten, aber es ist sehr wichtig, nicht den Kontakt zur Volksmusik zu verlieren. Es ist in Ordnung, die Musik des 20. Jahrhunderts auf zeitgenössischen Festivals zu spielen, aber für das allgemeine Publikum müssen wir unsere Programme mischen: zeitgenössische Musik und auch populäre Musik.

F. Welche Ziele verfolgen Sie zur Zeit in Ihrer Karriere und welche Fortschritte sehen Sie dabei?
A. Ich habe alles erreicht, was man auf akademischem Gebiet erreichen kann. Ich habe die ie gute Zusammenarbeit, die sie schon früher aufgebaut haben, entwickelt sich auch heute noch weiter.

Mein Rat an junge Künstler ist es, junge Komponisten zu suchen und sie zu Werken für das Akkordeon zu inspirieren, wodurch sich beide weiterentwickeln und zusammen reifen können.

F. Welchen musikalischen Rat haben Sie für ambitionierte Akkordeonisten? Frage von Dennis Van Stratten.
A. Man muss ein ausgewogenes Programm haben. Man muss mit anderen Instrumenten spielen und mit neuen Komponisten arbeiten.

Am Anfang pflegte ich die Komponisten unter meinen Kollegen um Kompositionen zu bitten, nun kommen sie zu mir! 1951 schrieb Cholminow die "Suite für Akkordeon". Nachdem er mich gehört hatte, schrieb Cholminow jetzt ein brandneues Stück (seine zweite Komposition für Akkordeon), die ich beim Bajan Festival in Moskau im kommenden Dezember uraufführen werde. (Siehe das Foto des Manuskripts).

Um Gubaidulina als Beispiel zu nehmen: Lips kannte sie, bevor sie berühmt war. Nach dem großen Festival in Boston 1988, wurde sie über Nacht weltberühmt. Lips hatte Anteil an diesem Erfolg durch die Musik, die er spielte. Die gute Zusammenarbeit, die sie schon früher aufgebaut haben, entwickelt sich auch heute noch weiter.

Mein Rat an junge Künstler ist es, junge Komponisten zu suchen und sie zu Werken für das Akkordeon zu inspirieren, wodurch sich beide weiterentwickeln und zusammen reifen können.

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